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Anlässlich des Internationalen Tags der Pflege am 12. Mai rückt der Verband binationaler Familien und Partnerschaften die Perspektiven transnationaler und migrantischer Familien stärker in den Fokus. Pflege ist längst ein transnationales Thema und noch immer geprägt von strukturellen Ungleichheiten.

Diese Ungleichheit zeigt sich im Alltag vieler migrantischer Familien. Viele Menschen in Deutschland tragen Verantwortung für pflegebedürftige Angehörige im Ausland, haben jedoch kaum Zugang zu Unterstützung oder sozialrechtlicher Absicherung. Betroffene können Regelungen wie das Pflegezeitgesetz oder Familienpflegezeit nur eingeschränkt in Anspruch nehmen.

„Wer seine Eltern im Ausland pflegt, stößt im deutschen Unterstützungs- und Sozialrecht auf erhebliche Lücken. Diese Care-Arbeit existiert politisch praktisch nicht, obwohl transnationale Fürsorgebeziehungen Millionen Menschen in Deutschland betreffen“, so Anna Sabel, Bundesgeschäftsführerin Verband binationaler Familien und Partnerschaften.

Für viele Familien bedeutet das: unbezahlte Auszeiten, finanzielle Belastungen, Konflikte mit Erwerbsarbeit oder die Unmöglichkeit, Pflege überhaupt persönlich zu leisten. Gleichzeitig müssen Pflegearrangements im Ausland privat organisiert und finanziert werden.

„Das System zwingt Menschen, sich zwischen Erwerbsarbeit und familiärer Verantwortung zu entscheiden, nur weil Pflege jenseits der Grenze stattfindet“, erklärt Sabel.

Auch in der Versorgung in Deutschland zeigen sich strukturelle Ungleichheiten. Diskriminierungskritische Pflege ist bislang kein Standard, obwohl migrantische Patient*innen und ihre Familien häufig auf sprachliche, kulturelle und institutionelle Barrieren stoßen.

„Diskriminierung in der Pflege ist kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem. Pflege muss die Vielfalt der Gesellschaft widerspiegeln. Diskriminierung im Gesundheitswesen gefährdet die Versorgung und verletzt die Würde der Betroffenen“, betont Sabel.

Hinzu kommen massive Hürden beim Zugang zu Pflegeleistungen. Die Antragsverfahren sind komplex, intransparent und für viele Familien kaum zu bewältigen. Besonders deutlich werden diese Herausforderungen am Lebensende. Themen wie Patientenverfügungen, Vorsorge und Sterbebegleitung sind oft schwer zugänglich, nicht zuletzt weil es an Informationen in verständlicher Sprache und an diversitätssensiblen Angeboten
mangelt.

„Selbstbestimmtes Altern und Sterben darf kein Privileg sein. Wir brauchen niedrigschwellige, diversitätssensible Aufklärung zu Patientenverfügungen“, sagt Sabel.

Gleichzeitig sind migrantische Pflegekräfte in Deutschland überproportional von prekären Arbeitsbedingungen betroffen. Niedrige Löhne, unsichere Verträge und strukturelle Abhängigkeiten prägen vielerorts ihren Alltag. Deutschland profitiert massiv von migrantischen Pflegekräften – allein 2024 kam bereits 17,8 Prozent des Pflegepersonals aus dem Ausland, mehr als 300.000 Pflegekräfte waren insgesamt ausländische Beschäftigte.

„Internationale Pflegekräfte stützen das System. Zugleich berichten Studien von hohen Belastungen, rassistischer Diskriminierung, unsicheren Anerkennungsprozessen und strukturellen Abhängigkeiten,“ so Sabel.

Während Deutschland auf migrantische Fachkräfte angewiesen ist, verschärft deren Abwanderung den Pflegenotstand in den Herkunftsländern, eine globale „Care Chain“, die auf Ungleichheit basiert.

„Pflege endet nicht an nationalen Grenzen. Wer hier versorgt, fehlt oft dort. Diese Realität müssen wir politisch anerkennen. Was hier als Fachkräftesicherung begriffen wird, ist global gesehen eine Umverteilung von Fürsorge“, erklärt Sabel.

Der Verband fordert seit Jahren eine Gleichstellung transnationaler Pflege, Zugang zu Pflegezeit- und Unterstützungsleistungen unabhängig vom Aufenthaltsort der Angehörigen, diskriminierungskritische Versorgung als Standard, einen vereinfachten Zugang zu Leistungen sowie gerechtere Arbeitsbedingungen in der Pflege.

„Pflege muss gerecht organisiert sein – global wie lokal. Dafür braucht es politische Verantwortung und den klaren Willen zur Veränderung“, so das Fazit von Sabel.

Kontakt für Rückfragen und weitere Informationen:
Dr. Carmen Colinas
Referentin Öffentlichkeit & Kommunikation
Tel.: 069 / 713 756 – 21
Mail: colinas@verband-binationaler.de

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